Gegenmacht aufbauen – Bericht der organisierten autonomie zum Revolutionären 1. Mai 2026

Gegenmacht aufbauen – Bericht der organisierten autonomie zum Revolutionären 1. Mai 2026

08. Mai 2026 Aus Von oa

Der 1. Mai 2026 steht im Zeichen sich weiter zuspitzender gesellschaftlicher Verhältnisse. Krieg, Sozialabbau und Rechtsentwicklung prägen die aktuelle Situation.

Gerade vor diesem Hintergrund kommt dem 1. Mai als Kampftag eine besondere Bedeutung zu: Hier bringen wir unsere Kämpfe zusammen, machen Ansätze von Gegenmacht sichtbar und tragen die Perspektive einer solidarischen Gesellschaft auf die Straße. Gleichzeitig zeigt sich, dass wir die bestehenden Verhältnisse nur dann verändern können, wenn wir uns organisieren und gemeinsam handeln.

Wie bereits in den vergangenen Jahren entwickelten wir auch 2026 einen gemeinsamen politischen Ausdruck. Dieser verdichtete sich im Motto:
„Gegen Krieg, Sozialabbau und Rechtsentwicklung! Kapitalismus überwinden!“.

Das Motto ergibt sich aus der aktuellen Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse: Die zunehmende Militarisierung, verschärfter Sozialabbau und die Rechtsentwicklung sind keine voneinander getrennten Prozesse, sondern Ausdruck stagnierender Profite, der sich neu ordnenden Weltordnung – kurz: der sich zuspitzenden Krise des Kapitalismus. Damit griffen wir zentrale Entwicklungen unserer Zeit auf und knüpften an die Kampagne „Ungehorsam jetzt“ und die dazugehörige Zeitung an.

Gemeinsamer Ansatz und lokale Ausprägung

Ausgehend von diesem gemeinsamen Rahmen wurden in den einzelnen Städten eigene Aufrufe entwickelt, die die jeweiligen lokalen Bedingungen und Kämpfe aufgriffen. So entstand ein gemeinsamer politischer Ausdruck, der sich in unterschiedlichen Formen konkretisierte.

Ein zentraler Bezugspunkt war neben der Einordnung und Analyse in den jeweiligen Aufrufen [Nürnberg: Bündnisaufruf | Stuttgart: Aufruf] dabei die Frage, wie Kämpfe konkret verankert werden können. Angesichts sich zuspitzender gesellschaftlicher Verhältnisse reicht es nicht aus, politische Antworten abstrakt zu formulieren – entscheidend ist, sie in den Alltag der Menschen zu tragen.

Der Ansatz, „dort zu kämpfen, wo das Leben ist“, verweist genau darauf: Kämpfe müssen in den konkreten Lebensrealitäten ansetzen – im Stadtteil, im Betrieb, in der Schule. Nur so kann aus vereinzelter Unzufriedenheit kollektive Handlungsfähigkeit entstehen. Im Vorfeld des 1. Mai haben wir unseren Ansatz zudem zur Diskussion gestellt, unter anderem durch ein im Vorfeld verschicktes Grußwort und im Rahmen einer Folge der Kommunisten Kneipe.

Der 1. Mai in Nürnberg mit knapp 5000 Menschen …

In Nürnberg stellte die revolutionäre 1. Mai Demonstration einen neuen Rekord auf: Rund 5000 Menschen beteiligten sich an der Demonstration, die von der organisierte autonomie initiiert und von einem breiten Bündnis getragen wurde. Damit war sie deutlich größer als die Demonstration des DGB am Vormittag, an der sich trotz Beteiligung von Yasmin Fahimi lediglich etwa 1500 Menschen beteiligten.

Inhaltlich stand die Demonstration im Zeichen der Zuspitzung gesellschaftlicher Widersprüche. In vielen Beiträgen wurde deutlich gemacht, dass Aufrüstung, Sozialabbau und verschärfte Konkurrenz Ausdruck eines Systems sind, in dem die Lohnabhängigen nichts zu gewinnen haben.

Dem wurde die Perspektive entgegengesetzt, dass ein Bruch mit Krieg, Faschismus und Ausbeutung nur durch eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse möglich ist.

Diese Perspektive wurde aus unterschiedlichen Blickwinkeln konkretisiert: Die Revolutionäre Zukunft Nürnberg stellte die Situation junger Menschen in den Mittelpunkt, die Antifa-Aktionskneipe thematisierte rechte Entwicklungen in der Region, und reclaim Gostenhof griff die Auswirkungen von Sozialabbau auf und verband diese mit konkreter sozialer Praxis im Stadtteil.

Auch wir als organisierte autonomie machten deutlich, dass die Zuspitzung der Verhältnisse kein Zufall ist, sondern Ausdruck der bestehenden Ordnung – und dass dem nur durch gemeinsame Organisierung etwas entgegengesetzt werden kann.

Die Demonstration zog durch die Stadt und mündete in ein internationalistisches Straßenfest in Gostenhof, das über den Tag hinweg von zahlreichen weiteren Menschen besucht wurde. Hier verbanden sich politische Inhalte mit konkreten Ansätzen von Organisierung und Alltagspraxis.

Die steigenden Teilnehmer*innenzahlen zeigen, dass sich die Demonstration zunehmend in der Stadt verankert und immer mehr Menschen nach einer politischen Perspektive suchen.

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… und in Stuttgart mit 2300 Menschen

In Stuttgart beteiligten sich rund 2300 Menschen an der revolutionären 1.-Mai-Demonstration – so viele wie noch nie in ihrer über 20-jährigen Geschichte. Die Demonstration stand unter dem Motto „1000 Krisen – eine Antwort: Sozialismus“ und wurde vom Revolutionären 1.-Mai-Bündnis organisiert.

Im Block der Organisierten Autonomie der Ortsgruppen Stuttgart und Schwäbisch Gmünd wurde besonders der Ansatz hervorgehoben, Kämpfe im Alltag zu verankern und zu führen. Unter dem Motto „Dort kämpfen, wo das Leben ist“ wurde deutlich gemacht, dass gesellschaftliche Auseinandersetzungen nicht abstrakt bleiben dürfen, sondern konkret in den Lebensrealitäten ansetzen müssen – deutlich wurde das auch durch die gezeigten Buchstaben, die gemeinsam „Gegenmacht aufbauen!“ und „Für den Kommunismus!“ zeigten.

In den Redebeiträgen wurden unterschiedliche Aspekte der Krise zusammengeführt – von internationalen Entwicklungen über die Situation im Gesundheitsbereich bis hin zur Perspektive der Jugend . Dabei wurde immer wieder betont, dass diese Entwicklungen Ausdruck eines Systems sind, dem nur durch gemeinsame Organisierung von unten etwas entgegengesetzt werden kann.

Im Anschluss feierten wir in Stuttgart-Ost bei einem bunten Programm am Straßenfest vom Stadtteilzentrum Gasparitsch mit vielen hundert weiteren Menschen.

Am Nachmittag wurde mit der Stadtteildemonstration ein weiterer politischer Ausdruck auf die Straße gebracht. Knapp 200 Menschen zogen als Demonstration durch das Viertel und trugen lautstark die Forderung nach einem „guten Leben für alle“ auf die Straße. Damit wurde der Anspruch, Kämpfe konkret im Alltag zu verankern, praktisch aufgegriffen.

In den Beiträgen wurde deutlich gemacht, was Krieg, Sozialabbau und Rechtsentwicklung konkret für die Lebensrealitäten vor Ort bedeuten – und welche Perspektiven dem entgegengesetzt werden können.

So wurde die Verbindung zwischen den großen gesellschaftlichen Entwicklungen und den konkreten Erfahrungen im Stadtteil hergestellt und sichtbar gemacht, dass Gegenmacht nicht abstrakt entsteht, sondern im Alltag organisiert werden muss.

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Tag für Tag Gegenmacht aufbauen

Der 1. Mai 2026 hat wie in den vergangenen Jahren [Bericht 2024 & Bericht 2025] erneut gezeigt, dass es möglich ist, unter unterschiedlichen lokalen Bedingungen einen gemeinsamen politischen Ausdruck zu entwickeln – auch wenn sich dieser in der Form und im Ausdruck unterscheidet.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass diese Unterschiede nicht einfach aufgehoben sind, sondern eine reale Herausforderung darstellen: einen verbindenden Rahmen zu schaffen, der unterschiedliche Bedingungen aufgreift und zusammenführt.

Gerade vor diesem Hintergrund ist die Entwicklung der Teilnehmer*innenzahlen besonders relevant: In unseren Städten, aber auch darüber hinaus, beteiligten sich deutlich mehr Menschen als in den vergangenen Jahren. Einerseits ist das ein Ausdruck der sich weiter zuspitzenden Verhältnisse, zugleich zeigt es aber auch, dass es ein wachsendes Bedürfnis nach Orientierung und einer Perspektive jenseits der herrschenden Verhältnisse gibt. Immer mehr Menschen sind nicht mehr bereit, die bestehenden Zustände einfach hinzunehmen und suchen nach Möglichkeiten, diese Unzufriedenheit in kollektives Handeln zu übersetzen.

Daraus ergibt sich auch eine klare Aufgabe: diese Perspektive nicht nur zu formulieren, sondern praktisch erfahrbar zu machen. Ansätze davon waren am 1. Mai sichtbar – und erste Formen von Gegenmacht spürbar. Daran gilt es anzuknüpfen und diese Ansätze weiterzuentwickeln – Tag für Tag und überall dort, „wo das Leben ist“, in den Betrieben, in den Unis und in den Stadtteilen. Denn ohne Kämpfe von unten gibt es keine Revolution. Ohne organisierte Basis gibt es keine Befreiung.
Ohne uns bewegt sich nichts – aber mit uns kann alles ins Wanken geraten.

Daraus ergibt sich für uns – am 1. Mai und jeden Tag: Dort kämpfen, wo das Leben ist! Gegen Krieg, Sozialabbau und Rechtsentwicklung! Kapitalismus überwinden!


Grußwort zum 1. Mai

Liebe Genoss*innen, liebe Freund*innen,

wir senden euch kämpferische und solidarische Grüße aus Nürnberg, Stuttgart und aus Schwäbisch Gmünd! Am 1. Mai gehen wir – gemeinsam mit Menschen auf der ganzen Welt – auf die Straße: gegen die herrschenden Verhältnisse und für eine solidarische Gesellschaft.

Und das ist notwendiger denn je. Denn die Krise des kapitalistischen Systems spitzt sich immer weiter zu. Hier in Deutschland spüren wir das durch steigende Mieten, stagnierende Löhne, Teuerungen, Sozialabbau und drohende Massenentlassungen. Doch zu der beschissenen sozialen Lage kommen die immer weiter eskalierenden Folgen der Klimakatastrophe und ansteigende Kriegsgefahr. Die „Zeitenwende“ wird vorangetrieben – Deutschland soll kriegstüchtig gemacht werden.

Diese Entwicklungen sind keine voneinander getrennten Phänomene. Sie sind Ausdruck eines Systems, das auf Konkurrenz, Profit und Ausbeutung basiert. Krieg, Sozialabbau und Rechtsentwicklung sind kein Zufall – sie sind Konsequenz der kapitalistischen Logik. Das zeigt: Der Kapitalismus hat keine Zukunft! Was wir brauchen ist etwas grundlegend anderes – eine solidarische Gesellschaft.

Und diese Gesellschaft wird nicht von selbst kommen. Weder kann sie durch ein Kreuzchen gewählt werden, noch wird sie uns von den Herrschenden geschenkt werden. Sie muss durch uns erkämpft werden. Deswegen gehen wir am 1. Mai auf die Straße.

Wir als Organisierte Autonomie sind überzeugt: Eine solche Gesellschaft kann nur dort erkämpft werden, wo wir arbeiten, lernen und wohnen – also in den Betrieben, in den Unis und in den Stadtteilen. Also dort zu kämpfen, wo das Leben ist!

Denn überall dort sind die alltäglichen Auswirkungen von Ausbeutung, Unterdrückung und Krise konkret spürbar – und genau hier können wir

  • kollektive Erfahrungen im Alltag und in gemeinsam geführten Kämpfen machen
  • Vertrauen und Solidarität aufbauen,
  • und zeigen, dass solidarische Alternativen möglich sind.

Das heißt konkret:

  • sich in Betrieben gegen Entlassungen, Lohndruck und Verschlechterungen zu organisieren,
  • sich gemeinsam gegen Kriegspolitik, Aufrüstung und Rechtsentwicklung zu stellen.
  • sich im Stadtteil gegen steigende Mieten, Verdrängung und Sozialabbau zu wehren,

Aus diesen Kämpfen entsteht Gegenmacht.

  • Gegenmacht, die das Bollwerk der bürgerlichen Ideologie durchbrechen kann – der Ideologie, die uns Vereinzelung, Profitlogik und Konkurrenz Tag für Tag einbläut.
  • Gegenmacht, die zeigt, wer hier wirklich die Macht in den Händen hat – nämlich unsere Klasse
  • Gegenmacht, die der Ausbeutung und Unterdrückung ein Ende setzen kann und
  • Gegenmacht, die die Bedürfnisse der Menschen statt des Profits in den Mittelpunkt stellt.

Nutzen wir diesen Tag als Ausgangspunkt – und tragen wir den Kampf weiter.
Nicht nur heute, sondern jeden Tag und überall dort wo wir arbeiten, lernen und leben.

Für die Überwindung des Kapitalismus!
Für die soziale Revolution!
Für eine solidarische Gesellschaft!

In diesem Sinne senden wir euch kämpferische Grüße – von den Straßen Nürnbergs, Stuttgarts und Schwäbisch Gmünds – auf die Straßen eurer Stadt!