Dort kämpfen, wo das Leben ist! Gegen Krieg, Sozialabbau und Rechtsentwicklung! Kapitalismus überwinden!
28. März 2026Heraus zum revolutionären 1. Mai!
Aufruf zum Revolutionären 1. Mai von der Organisierten Autonomie Stuttgart
Absinken der Sozialquote um 33 % seit 2000 +++ kaum Besteuerung von Vermögen +++ Vermögensverteilung in der BRD (Stand 2026): Die oberen 10 % der Haushalte besitzen 80–85 % des Gesamtvermögens +++ Einkommen der Mittelschicht (ca. 39.000 Euro netto) seit 2000 nur um 10–15 % gestiegen +++ Einkommen der reichsten 10 % (ca. 194.000 Euro netto) im gleichen Zeitraum um rund 90 % gestiegen +++ Preise für lebensnotwendige Güter in der BRD seit 20 Jahren deutlich gestiegen +++ besonders starke Verteuerung bei Miete, Energie und Lebensmitteln +++ reale Belastung für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen spürbar gewachsen +++ deutliche Steigerung der sozialen Ungleichheit in der BRD seit 2000 +++ Anstieg des Verteidigungshaushalts um 48 % seit 2015 +++ 1,5 Billionen Euro Sondervermögen für die „Kriegstüchtigkeit“ der BRD +++ globale Militärausgaben auf Rekordniveau von 2,7 Billionen Dollar +++ so viele Kriege zwischen Staaten wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr +++ über 120 bewaffnete Konflikte weltweit +++ ca. 1,5 bis 2,5 Millionen Kriegstote weltweit in den letzten 20 Jahren …
… die „Zeitenwende“ ist angekommen! Konkret äußert sich diese Entwicklung in unserer Lebensrealität in steigenden Mieten, stagnierenden Löhnen, Teuerungen, Sozialabbau und Massenentlassungen. Zusätzlich zu der desaströsen sozialen Lage kommt die ansteigende Kriegsgefahr, die insbesondere die Jugend in Form einer drohenden Wehrpflicht betrifft. Aber auch die immer weiter eskalierenden Folgen der Klimakatastrophe haben ganz konkrete Auswirkungen auf unser Leben.
Denn die wenigsten der Lohnabhängigen haben beispielsweise den Luxus, sich bei stetig steigenden Temperaturen in urbanen Gebieten in ein klimatisiertes (Home-)Office zurückziehen zu können. Nein, die meisten unserer Klasse – diejenigen, die gezwungen sind, ihre Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt feilzubieten – sind diejenigen, die den Karren zwar am Laufen halten, aber immer stärker mit den konkreten Auswirkungen dieser Wirtschaftsweise und der damit einhergehenden Politik zu kämpfen haben.
Doch die Ursache für diese Entwicklung liegt nicht an einzelnen Verrückten in Washington oder Moskau, nicht in einer fehlgeleiteten Politik von Umweltspinner*innen, Sozialromantiker*innen und „woken“ Idealist*innen oder in der „Masseneinwanderung“ von Migrant*innen, wie uns die hiesige Parteien- und Medienlandschaft glauben machen will.
Dass sich diese Erzählungen dennoch so hartnäckig halten, ist kein Zufall – sie werden von der Politik forciert und von der Medienlandschaft reproduziert. Von öffentlich-rechtlichen Formaten wie Markus Lanz oder Karen Miosga über privatwirtschaftliche Medienimperien wie den Axel-Springer-Konzern und Bertelsmann sowie private TV-Konzerne wie RTL oder ProSieben bis hin zu rechtskonservativen und rechtsradikalen Printmedien, Onlineplattformen und -portalen wie NIUS von Julian Reichelt oder dem Compact-Magazin, um einige Beispiele zu nennen: Sie alle stoßen ins gleiche Horn. Trotz ihrer vermeintlich großen Unterschiedlichkeit halten sie alle am Kapitalismus fest und propagieren seine Alternativlosigkeit. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die Akteure als sozialdemokratisch oder liberal verstehen, sich als konservativ branden oder sich rechtsradikalen Gesinnungen verbunden fühlen. Sie eint, dass sie an der Art und Weise, wie wir wirtschaften, festhalten wollen – und genau darin liegt die eigentliche Ursache für die miserable Lage unserer Klasse. Diese Form der Ökonomie ist es, die unsere Bedürfnisse und Interessen als lohnabhängige Klasse nicht im Fokus haben kann und unser Leben totalitär gestaltet.
Um zu verstehen, warum sich diese Entwicklung immer weiter zuspitzt, reicht ein kurzer Blick auf die grundlegende Logik dieses Systems: Denn der Kapitalismus ist eben nicht auf die Bedürfnisbefriedigung aller Menschen ausgerichtet und darauf, allen ein gutes Leben zu ermöglichen. Nein, im Kapitalismus geht es darum Profite zu erwirtschaften – Profite, die nur einigen Wenigen zugutekommen.
Diese Logik führt dazu, dass unsere Bedürfnisse systematisch dem Profit untergeordnet werden, das Leben immer stärker unter Druck gerät und Staaten im globalen Wettbewerb zunehmend miteinander konkurrieren.
Deutschland und sein spezifischer Weg des Imperialismus
Dass die BRD sich als großer Player in diesem Wettbewerb versteht, ist der Tatsache geschuldet, dass Deutschland einen sehr speziellen Weg gewählt hat, seine imperialistischen Interessen durchzusetzen. Dieser Weg war sehr erfolgreich aus Perspektive des deutschen Kapitals und katapultierte die BRD von einem Staat mit einer am Boden liegenden Wirtschaft nach der militärischen Befreiung vom Nationalsozialismus zur drittgrößten Wirtschaftsmacht der Welt, an deren Stelle sie sich bis heute behauptet. Die hohe Industrialisierung, das hohe Bildungsniveau, geringe Militärausgaben und die geopolitische Lage – inklusive der Frontstaatstellung gegen die Sowjetunion – waren der Grund dafür, im Windschatten der USA eine enorm exportorientierte Wirtschaft aufzubauen. Das, gepaart mit extrem hoher Produktivität und im Vergleich zu anderen damaligen Industrienationen niedrigen Löhnen, ermöglichte es zwar nicht, die USA oder die Sowjetunion herauszufordern, aber kleinere westliche Staaten und Siegermächte wie Großbritannien oder Frankreich konnten niederkonkurriert werden.

Dieses Geschäftsmodell geriet in der Mitte der 1990er Jahre in eine tiefgreifende strukturelle Krise. Die ehemaligen Ostblockstaaten traten mit deutlich niedrigeren Löhnen in den globalen Wettbewerb. Die zunehmende Rationalisierung und Produktivitätssteigerung in der deutschen Industrie in Verbindung mit der ausbleibenden Lohnentwicklung, vor allem im Osten Europas, führte zu erheblichen Schwierigkeiten, die in Deutschland hergestellten Produkte auf dem Weltmarkt abzusetzen. Die damit verbundene sinkende Profitrate deutscher Unternehmen schmälerte die Attraktivität erheblich, in sie zu investieren, um Kapital möglichst effizient zu verwerten. Gleichzeitig geriet auch die Finanzierung des „Sozialstaats“ zunehmend unter Druck. Denn um das damalige Sozialstaatsniveau zu halten, wäre es erforderlich gewesen, größere Teile des Profits an die lohnabhängige Klasse umzuverteilen, anstatt ihn an Anleger*innen, Eigentümer*innen oder an die Privatwirtschaft auszuschütten.
Diese Entwicklung bedeutete, dass sich die Kapitalist*innenklasse anschickte, den Standort Deutschland auf Kosten der Gesellschaft wieder wettbewerbsfähig zu machen. Damals fand sich eine willfährige Koalition aus Sozialdemokratie, Grünen und auch Konservativen, die eine Politik gegen die Interessen der Lohnabhängigen durchsetzte.
Unter dem Namen Agenda 2010 wurde der bis dato größten Angriffe auf unsere Klasse seit Gründung der BRD unternommen. Die Folge war ein deutliches Absinken der staatlichen Sozial- und Sozialversicherungsleistungen wie Rente, Arbeitslosengeld, Grundsicherung oder Leistungen der Krankenkassen. Gleichzeitig wurden steuerliche Begünstigungen für Vermögende und Besitzende vorangetrieben. So können beispielsweise Menschen, die ein Vermögen von mehr als 25 Millionen Euro erben, durch legale Steuertricks keinen Cent Steuern zahlen – eine sehr plakative „Errungenschaft“ dieser Agenda.
Den größten Angriff stellte die Etablierung des Niedriglohnsektors dar. Mit einem Bündel von Maßnahmen wurde ein Sektor geschaffen, der als permanentes Damoklesschwert des wirtschaftlichen und sozialen Abstiegs für Lohnabhängige wirken sollte. Dabei bestand und besteht weiterhin eine zentrale Funktion dieses Sektors darin, Lohndruck zu erzeugen und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, indem mit möglichst geringem Kapitaleinsatz ein hohes Maß an Produktivität erzielt wird. Denn wer seinen Job verliert, dem drohte, sich im Niedriglohnsektor wiederzufinden und damit jedes kleine bisschen mühselig erarbeiteten Wohlstand zu verlieren. Wen das Schicksal der Arbeitslosigkeit ereilte, sieht sich binnen kürzester Zeit damit konfrontiert, seine Ersparnisse anzugreifen, um zu überleben. Somit stand für die bürgerlichen Gewerkschaften und ihre Mitglieder nicht mehr der Lohnkampf und die Umverteilung an erster Stelle, sondern die Beschäftigung an sich. Lieber auf etwas Geld verzichten, aber dafür den Job behalten, war der Tenor vieler Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge. Die Folge waren stagnierende Löhne und Reallohnverluste für uns Lohnabhängige. Gleichzeitig setzten die Unternehmen ihre Produktivitätssteigerungen fort und verlagerten Teile der Produktion in sogenannte Niedriglohnländer, um den Profit weiter zu steigern. Die Angst der Gewerkschaftsbasis und der befürchtete Machtverlust der Gewerkschaftseliten führten dazu, dass sich die BRD auf Kosten unserer Klasse wieder fit für den Weltmarkt machte. Die Folgen dieser Politik haben sich überall durchgesetzt und sind heute greifbarer denn je. Steigende Mieten, wachsender Arbeitsdruck und zunehmende soziale Unsicherheit sind nur einige Beispiele dafür.
Zeitenwende – mal wieder!?

Die Agenda 2010 war die politische Antwort der Kapitalist*innenklasse auf die Krise des deutschen Kapitalismus in den 1990er und frühen 2000er Jahren. Durch Sozialabbau, Deregulierung des Arbeitsmarktes und die Ausweitung des Niedriglohnsektors wurde die deutsche Wirtschaft wieder konkurrenzfähiger gemacht – und zwar auf Kosten unserer Klasse. Heute stehen wir erneut vor einer tiefen Krise des kapitalistischen Systems. Doch die Ausgangslage ist eine andere als damals. Während es in den frühen 2000er Jahren vor allem darum ging, das deutsche Geschäftsmodell innerhalb der bestehenden Weltordnung zu stabilisieren, gerät heute diese Weltordnung selbst ins Wanken. Eines bleibt jedoch gleich: Auch diesmal sollen wir die Kosten der Krise tragen.
Dabei zeigt sich gerade jetzt besonders deutlich, dass es im Kapitalismus eben nicht um die Bedürfnisse der Menschen geht und nicht darum, allen ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen, sondern um die Sicherung und Steigerung von Profit.
Um zu verstehen, warum sich diese Entwicklung heute erneut zuspitzt, müssen wir die grundlegende Dynamik dieses Systems genauer betrachten: Der Motor des Kapitalismus ist die ständige Verwertung von Kapital. Investiertes Kapital muss sich verwerten und wachsen – und zwar durch die Ausbeutung unserer Arbeitskraft, indem sich der durch uns erarbeitete Mehrwert von der Klasse der Kapitalist*innen als Profit angeeignet wird, ohne dass er denjenigen zugutekommt, die ihn tatsächlich erarbeiten. Dies ist ein stetiger Kreislauf – Profit wird wieder investiert, um wiederum noch mehr Profit zu erwirtschaften. Daraus ergibt sich ein permanenter Akkumulationszwang – Kapital muss wachsen, sonst wird es von anderen verdrängt. Die Folge dieses Zwangs ist eine permanente Konkurrenz: zwischen Unternehmen, zwischen Branchen und letztlich auch zwischen Staaten.
Die kapitalistische Klasse steht so im permanenten Wettbewerb um die Aneignung von Kapital. Wer in diesem Wettbewerb unterliegt, wird vom Markt verdrängt oder von einem mächtigeren Konkurrenten aufgesogen.
Gleichzeitig führt dieser Prozess dazu, dass eine immer stärkere Konzentration und Zentralisierung von Kapital entsteht. Immer größere Teile des gesellschaftlichen Reichtums befinden sich in den Händen weniger Kapitalist*innen.
So bilden sich Monopole heraus, die versuchen, weltweit Märkte zu kontrollieren. Ein Beispiel ist die deutsche Automobilindustrie, in der wenige Konzerne versuchen, dem Weltmarkt ihren Stempel aufzudrücken. Ähnliches gilt für die Telekommunikationsbranche mit der Deutschen Telekom oder für die Luftfahrtindustrie mit Airbus.
Diese Konzerne sowie die hinter ihnen stehenden und von ihnen abhängigen und beherrschten Strukturen – Zulieferer, Finanzdienstleister, Banken, Dienstleistungs- oder Logistikunternehmen – treten auf dem Weltmarkt gegeneinander in Konkurrenz, oder besser gesagt: in eine Schlacht um ihr eigenes Überleben.
Vom Konkurrenzkampf zur globalen Krise

Diese Konkurrenz wird jedoch nicht ausschließlich zwischen den Unternehmen oder Konzernen ausgetragen, sondern zunehmend auf staatlicher und damit letztlich auf militärischer Ebene.
Das Ergebnis dieser Dynamik erleben wir heute ganz praktisch am eigenen Leib. Wenn Friedrich Merz davon spricht, wieder produktiver zu werden, den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähiger zu machen, dann geht es nicht um Jobs und die Sorge um die Bevölkerung in diesem Land, sondern schlichtweg um die Angst, diese Schlacht auf dem Weltmarkt zu verlieren.
Denn die Maßnahmen, die die Konkurrenzfähigkeit oder den Ausbau der eigenen Wirtschaft, also die Überlegenheit der eigenen Monopole, stärken sollen, sind innerhalb des Kapitalismus nur zeitlich begrenzt möglich. Der Grund dafür liegt in den inneren Widersprüchen des Systems. Im Konkurrenzkampf investieren Unternehmen immer mehr Kapital in Maschinen, Technologie und Rationalisierung. Dadurch wächst die Menge an produziertem Kapital und Waren immer weiter, sodass die produzierten Waren nicht mehr im gleichen Maße abgesetzt werden können. Gleichzeitig wird es zunehmend schwieriger, dieses Kapital noch profitabel zu verwerten. Es entsteht eine Überakkumulation von Kapital – also mehr Kapital, als unter den bestehenden Bedingungen noch profitabel eingesetzt werden kann.
Krisen, wirtschaftliche Einbrüche und verschärfte Konkurrenz sind die Folge. Staaten versuchen dann, neue Märkte zu erschließen, Ressourcen zu sichern und ihre wirtschaftliche Position militärisch und politisch abzusichern.
War der Zugriff auf Absatzmärkte und Ressourcen lange Zeit weitgehend aufgeteilt, wird dies durch die ökonomische Entwicklung der BRICS-Staaten – allen voran China und Indien, aber auch Brasilien und Iran sowie weiterer aufstrebender Regionalmächte wie der Türkei – zunehmend infrage gestellt. Denn diese Staaten sind heute in der Lage, weit über ihre eigenen Staatsgrenzen hinaus eigene Interessen zu verfolgen, was dazu führt, dass die alten imperialistischen Metropolen ihre Vormachtstellung immer aggressiver verteidigen.
Das Ergebnis sehen wir in den sich ausbreitenden Krisen und Kriegen weltweit: In der Ukraine werden die Interessen Russlands, der EU und der USA blutig ausgefochten; es geht um nationale wie geostrategische Sicherheitsinteressen, Märkte, seltene Erden, den Agrarsektor, den Zugriff auf billige Arbeitskraft und schlussendlich den Wiederaufbau.
In Venezuela macht die US-Administration unmissverständlich klar, dass sie Lateinamerika als ihren Hinterhof ansieht und mit der Entführung eines Staatsoberhaupts und militärischer Gewalt diesen Anspruch auch gegen den Willen der dortigen Bevölkerung durchsetzt. So ist auch klar, dass die noch verbalen Drohungen gegen Kuba nichts Gutes für die sozialistische Insel bedeuten werden.
In Iran versuchen die USA und Israel, ihre Interessen an der geostrategisch wichtigen und rohstoffreichen Region mit Bomben, Raketen, Drohnen und jeder Menge toter Zivilist*innen deutlich zu machen.
Diese Zuspitzungen und Entwicklungen der Krise des kapitalistischen Systems führen so weit, dass sogar die Allianzen des Kalten Krieges an Gültigkeit verlieren und die USA damit drohen, Gebiete von NATO-Verbündeten wie Grönland oder Kanada zu annektieren. Interessen werden immer offener und ohne Verschleierung durch angeblich „humanitäre“ Gründe durchgesetzt.
Also: Die Ausgangslage ist deutlich eine andere als zu Beginn der 2000er. Aber eines ist ihr gleich: Die Kosten dieser ökonomisch-militärischen Interventionen dürfen nicht zulasten von Profit, Renditen und Dividenden gehen. So wird zwar ein Sondervermögen von über 1,5 Billionen Euro zur Hochrüstung und Herstellung der Kriegstüchtigkeit der BRD zur Verfügung gestellt. Die Frage, wer das am Ende bezahlen soll, wird nur rhetorisch gestellt.
Denn die Antwort der Kapitalist*innen ist klar – Wir – also die Klasse der Lohnabhängigen – sollen die Lasten tragen! Längere Arbeitszeiten, Lohnzurückhaltung, steigende Preise und Mieten, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, Sozialabbau, Rentenkürzungen, Rückabwicklung von klimapolitischen Maßnahmen zum Schutz der Profite, Unternehmenssteuersenkungen – so lauten die Antworten der Kapitalist*innenklasse.

Auch militärisch sollen wir die Kosten tragen: nach innen durch Aufrüstung und autoritäre Maßnahmen, nach außen durch Krieg und zunehmend auch ganz konkret durch die Einbindung der jüngeren Generation, die in Form einer Wehrpflicht gezwungen werden soll, ihre Körper und ihr Leben für diese Interessen einzusetzen.
Kurzum: Die Zeitenwende bedeutet einen Angriff auf unser aller Leben, ein Angriff auf die Bedürfnisse, Interessen und die Freiheit von uns Lohnabhängigen.
Autoritäre Offensive zur Durchsetzung von Kapitalinteressen
Der Staat spielt bei der Durchsetzung dieser Angriffe auf unsere Lebensbedingungen eine zentrale Rolle. Denn der Staat ist kein neutraler Vermittler zwischen den Interessen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen. Seine Aufgabe besteht darin, die grundlegenden Bedingungen der kapitalistischen Ordnung zu sichern: Eigentum zu schützen, Arbeitskraft verfügbar zu halten und die Konkurrenzfähigkeit des „Standorts“ zu gewährleisten. Gleichzeitig versucht er, soziale Konflikte zu befrieden – etwa durch Sozialpolitik oder politische Zugeständnisse. Doch wenn sich die Krise verschärft, verschiebt sich dieses Gleichgewicht.
Flankiert werden die Maßnahmen der Zeitenwende von einer gesellschaftlichen Rechtsentwicklung, die den Durchmarsch von Kapitalinteressen gegenüber den Lohnabhängigen absichern soll. In den letzten Jahren wurden demokratische und soziale Rechte zunehmend eingeschränkt – durch verschärfte Polizei- und Asylgesetze, Angriffe auf das Versammlungsrecht und einen immer repressiveren Umgang mit Protest. Widerstand gegen Aufrüstung, Militarisierung und Sozialabbau wird zunehmend kriminalisiert, etwa durch das harte Vorgehen gegen antimilitaristische Aktionen und Demonstrationen.
Während Milliarden für Militär, Konzerne und Banken bereitgestellt werden, steigen die Lebenshaltungskosten, werden soziale Leistungen gekürzt und der Druck auf Beschäftigte, Erwerbslose und Geflüchtete wächst. Diese Entwicklung wird nicht nur von offen rechten Kräften vorangetrieben, sondern auch von allen etablierten Parteien, die Abschottungspolitik, Aufrüstung und autoritäre Maßnahmen trotz unterschiedlicher Begründungen gemeinsam durchsetzen.
Rechte Parteien wie die AfD sowie rechte Medien spielen dabei eine wichtige Rolle, indem sie den berechtigten Unmut über soziale Ungleichheit gezielt nach unten lenken. Statt die Macht von Konzernen und Vermögenden anzugreifen, werden Geflüchtete und Minderheiten zu Sündenböcken gemacht. So wird die Gesellschaft gespalten und solidarischer Widerstand geschwächt. Während die AfD mit nationalistischen und rassistischen Parolen den Diskurs weiter nach rechts verschiebt, greifen andere Parteien zentrale Elemente dieser Politik auf und legitimieren sie als angebliche Sachzwänge. So wird verhindert, dass sich der Widerstand gegen die eigentlichen Profiteure von Sozialabbau, Aufrüstung und Ausbeutung richtet.
Was tun? Dort kämpfen, wo das Leben ist!

Doch wie mit diesen Angriffen umgehen? Wie der Ohnmacht begegnen, die damit einhergeht? Eine einfache Antwort auf diese komplexe Frage gibt es nicht. Klar geworden ist jedoch: Diese Form zu wirtschaften gehört längst auf den Müllhaufen der Geschichte.
Ebenso klar ist: Bei denen, die von diesem System profitieren – den Herrschenden und den in Abhängigkeit von ihnen stehenden Politiker*innen der kapitalistischen Klasse – werden wir mit moralischen Appellen, Wahlen oder „konstruktiven Forderungen“ nichts erreichen.
Die Krisen unserer Zeit sind kein Zufall, sondern Ausdruck eines Systems, das auf Profitmaximierung und Kapitalverwertung basiert. Und solange diese Logik gilt, werden die Kosten der Krise immer wieder auf uns abgewälzt werden.
Deshalb müssen wir unmissverständlich klar machen: Ihr Krieg ist nicht unser Krieg! Ihre Gesellschaft der Konkurrenz, Ausbeutung und Unterdrückung ist nicht unsere!
Wir treten ein für eine Gesellschaft jenseits ihrer Kriege, ihrer Konkurrenz und ihrer Ausbeutung – für eine solidarische Gesellschaft.
Für diese kämpfen wir Tag für Tag dort, wo wir arbeiten, lernen und leben – im Betrieb, in der Schule, an der Universität und im Stadtteil. Denn genau dort treffen uns die Angriffe dieses Systems unmittelbar: steigende Mieten, wachsender Arbeitsdruck, soziale Unsicherheit, Konkurrenz und vieles mehr.
Gerade deshalb müssen wir „dort kämpfen, wo das Leben ist“. Denn hier können sich die verschiedenen Teile unserer Klasse zusammenschließen – und aus vereinzelten Problemen gemeinsame Kämpfe entstehen.
Das bedeutet konkret:
- Wenn sie uns höhere Kitagebühren aufbrummen oder unsere sozialen Errungenschaften angreifen, leisten wir Widerstand – bis hin zum feministischen Streik.
- Wenn Immobilienkonzerne versuchen, ihre Profite mit unseren Mieten ins Unermessliche zu steigern, schließen wir uns zusammen und verweigern kollektiv die Zahlung.
- Wenn Gewerkschaften Lohnzurückhaltung predigen, kämpfen wir im Betrieb für höhere Löhne.
- Wenn sie Häuser leer stehen lassen, um damit Profite zu machen, während wir keine Wohnungen finden, nehmen wir uns die Häuser – und besetzen sie.
- Wenn sie uns mit Entlassung und Arbeitslosigkeit drohen, bestreiken wir ihre Quellen des Profits – ihre Betriebe und Fabriken.
- Wenn sie uns zur Wehrpflicht zwingen wollen, entziehen wir uns kollektiv, verweigern den Kriegsdienst und stehen gemeinsam mit unseren Freund*innen, Kolleg*innen und Angehörigen dafür ein, dass niemand von uns gezwungen wird, für ihre Profite auf dem Schlachtfeld zu töten oder zu sterben.
So brechen wir mit den herrschenden Verhältnissen und organisieren uns solidarisch im Stadtteil, in der Schule und im Betrieb.
Wir wehren uns gegen Leistungsdruck und gegen den Zwang, unsere Arbeitskraft und unser Wissen im Sinne des Kapitals zu verwerten.
Wir organisieren uns als Frauen und greifen patriarchale und sexistische Strukturen praktisch an.
Wir schließen uns zusammen – unabhängig von Herkunft oder Pass – und kämpfen gegen Rassismus.
Wir bauen solidarische Netzwerke auf, um Vereinzelung zu durchbrechen und aus individuellen Problemen gemeinsame Interessen zu machen.
Wir verbinden diese unterschiedlichen Kämpfe unserer Klasse und überwinden so unsere Vereinzelung.
So entsteht Schritt für Schritt Gegenmacht – eine organisierte Kraft von unten, die der totalitären kapitalistischen Unterdrückung etwas entgegensetzt, eine Welt jenseits von Ausbeutung und Unterdrückung denkbar macht und die Bedingungen dafür schafft, eine revolutionäre Umwälzung überhaupt zu ermöglichen. Das ist der einzige Weg, der in der Lage ist, die bestehenden Verhältnisse in Frage zu stellen und zu überwinden. Es ist dieser Prozess, der ermöglicht, unsere Interessen von unten zu artikulieren und wirkmächtig werden zu lassen. Er beginnt dort, wo das Leben ist: dort, wo Menschen anfangen, sich gemeinsam gegen die Zumutungen dieses Systems zu organisieren. In diesen Kämpfen sammeln wir Erfahrungen, entwickeln Solidarität und bauen Strukturen auf, die der Macht des Kapitals etwas entgegensetzen – nicht um innerhalb dieses Systems Verbesserungen zu verwalten, sondern um die Kräfteverhältnisse so zu verschieben, dass eine grundlegende Umwälzung möglich wird.
Dort kämpfen wir – gegen Krieg, Sozialabbau und Rechtsentwicklung. Und mit der Perspektive, den Kapitalismus, dieses System der organisierten Ausbeutung und Unterdrückung, zu überwinden.
Der 1. Mai, der internationale Kampftag unserer Klasse, ist der Tag, an dem wir unser gemeinsames Interesse an der Umwälzung dieser Verhältnisse auf die Straße tragen und eine gemeinsame Perspektive formulieren.
Machen wir also sichtbar, was uns verbindet. Zeigen wir, dass unsere Stärke in der Organisierung liegt. Nehmen wir uns die Straße – laut, entschlossen und kollektiv. Durchbrechen wir den Alltag der Ausbeutung – nicht nur am 1. Mai, sondern Tag für Tag.
Heraus zum revolutionären 1. Mai!

1. Mai
Revolutionäre 1. Mai Demo
13 Uhr Kronprinzplatz | https://erstermai0711.noblogs.org/
Ihr findet uns bei dem Hochtransparent „Dort kämpfen, wo das Leben ist!“
12:15 Uhr: Vortreffpunkt am Stadtteilzentrum Gasparitsch, um gemeinsam zur Demo zu gehen.
ab 14 Uhr Straßenfest am Stadtteilzentrum Gasparitsch (Rotenbergstr. 125 Stuttgart, U4 Ostendplatz, U9 Raitelsberg)
www.gasparitsch.org/1-mai-fest/
Kaffee & Kuchen, Fingerfood / Popcorn / Quiz / Info- und Aktionsstände / Kinderprogramm / Kurzvorstellungen der beteiligten Initiativen & Organisationen / warmes leckeres Essen
ab 19:30 Uhr Live Musik: Esensa + Mäusepanik und BlitzJazzBop
ab 22:00 Uhr Aftershow-Party: Jens O Matic und Markus Railroad
17 Uhr: Stadtteildemo – Start beim Fest am Stadtteilzentrum Gasparitsch
Vorstellungsveranstaltung der Organisierten Autonomie
Donnerstag, 6. Mai, 19 Uhr, Gasparitsch
Theorie trifft Praxis
Veranstaltung mit Orhan Sat: „Dort kämpfen, wo das Leben ist! – Hegemonie, Gegenmacht und revolutionäre (Real-)politik“: Samstag, 6. Juni
Workshop: Revolutionäre Stadtteilarbeit in der Praxis: Sonntag, 7. Juni – begrenzte Plätze, bitte anmelden über @oa.stuttgart oder stuttgart[aet]organisierte-autonomie.org
unterstützt von der Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg
